TV beim Essen - Babys vor die Glotze

31. Januar 2008 – 06:19

“Nach der Studie ist in 13% der Haushalte der Fernseher immer, in 19%
meistens, in 21% die Hälfte der Zeit an. In 30% läuft der Fernseher
in aller Regel auch beim Essen.”
13 19 21 = 53% aller Haushalte mit hohem TV-Konsum. Und dann auch
noch beim Essen.
Man darf sich nicht wundern, dass die Gesellschaft verblödet.
Schließlich muss man sich auch die Unterhaltungs”qualität” vor Augen
halten, die da stundenlang durch den Haushalt flimmert. Und das Essen
wird offenbar völlig desozialisiert, indem die Glotze als passive
Bedröhnung läuft, anstatt einen der letzten verbliebenen Ruhepole
zwischen Arbeit und heutigem Freizeitstress zu erhalten. Schließlich
sind die Mahlzeiten eigentlich der familiäre Moment schlechthin, wo
man noch komplette Konversation pflegen kann und sich Zeit nimmt.
Oder sollte….
Wer Kleinkinder vor das TV setzt projeziert sein eigenes Alter und
seinen Sinn nach Zerstreuung nach einem Arbeitstag (oder in
Ermangelung eigener Interessen, Hobbies, Kreativität) auf ein Kind.
Dabei vergisst er völlig, dass dieses Kind weder erschöpft, noch
ausgewachsen, noch lernmüde ist, und schon gar nicht die Chance
hatte, sein Leben nach eigenen Interessen, Hobbies und Kreativität
abzuklopfen. Hier werden chancenlose Zombies herangezüchtet, aus
Bequemlichkeit der Eltern. Wobei diese meist mit “gutem Beispiel”
vorangehen, vielleicht genauso aufgewachsen sind, und ein wortkarges
passives Leben gewöhnt sind. Wie will man diesen Teufelskreis
durchbrechen? Die Spracharmut der Eltern “Hmmm? Hä? Watt? Jooo….”,
die beim Essen eher ein Störfaktor zwischen Kauen und TV-Gucken wird,
kann das Kind nicht ausgleichen, indem es eben bunte Bilder guckt und
sich von weichgespülten Phrasen ohne Chance auf Dialog durchlöchern
lässt.
Und wer ernsthaft noch argumentiert, dass das TV die KLeinen
tatsächlich bilden würde, der behauptet sicher auch, dass man durch
Lesen eines C -Buches zum cleveren Programmierer werden würde oder
vom bloßen Zusehen ein Instrument begreift.
Passivität tötet den Geist. Und mein größter Trost dieses Beitrags
ist, dass diese Haushalte erst die Hälfte der Gesellschaft ausmachen.
Der Rest ist Prinzip Hoffnung.
Comran

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