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mein essen will ich nicht… – Der Giftgaseinsatz in Moskau

> Was versteht der unter dem “amerikanischen Holocaust”? Eine so
> zielgerichtete Menschenvernichtungsmaschinerie wie der Holocaust der
> Nazis haben die Amerikaner doch wohl kaum aufgebaut. Die Todesopfer
> der USA-Politik fallen doch eher “zufällig” an, nicht unbedingt
> absichtlich (“Kollateralschäden”). Gegnerische Soldaten kann man ja
> nicht in die Rechnung aufnehmen, wenn man von einem “Holocaust”
> spricht, sonst wäre Krieg gemeint. Überhaupt scheint mir die
> Verwendung des Begriffs “Holocaust” etwas übertrieben. Der bezeichnet
> doch eigentlich den Massenmord an Juden, Zigeunern usw. im Dritten
> Reich, mit seiner ganz spezifischen Methodik, also mit KZs usw. Wo
> machen die USA so etwas in diesem Ausmaß?
Zitat:
“Could the Nazi holocaust have happened without anyone knowing about
it? The American holocaust has. . . . a few million people have died
in the American holocaust and many more millions have been condemned
to lives of misery and torture as a result of US interventions.”
- Former U.S. State Department official William Blum.
Der Mensch, der aus Angaben Blums eine timeline (sorry, mir fällt
kein deutsches Wort dafür ein), starb kurz darauf an einem
mysteriösen Selbstmord. Hier ist der Link zu der Aufstellung:

http://www.huppi.com/kangaroo/CIAtimeline.html

Im übrigen finde die Empfindlichkeit, bestimmte Analogien zu
verwenden, unangebracht. Wenn man aus der Geschichte lernen
will, muß man auch unangenehme Vergleiche ziehen dürfen, statt
immer wieder neue Begriffe für Menschenvernichtung zu erfinden.
> Das will ich ja alles gar nicht in Abrede stellen, nur ist das keine
> zwingende Eigenschaft eines Nationalstaats. Daher stimmt die
> Vergleichsebene nicht, wenn man Nationalstaat und
> (Untergrund-)Terrorismus nebeneinanderhält. Nationalstaaten KÖNNEN
> terroristisch sein. Terrorismus dagegen ist logischerweise immer
> terroristisch.
Die Ansicht kann ich nicht teilen. Vom Effekt her ist Staatsgewalt
viel gewaltiger als die sinnlose Auflehnung dagegen in Form von
Terrorismus. Wie gesagt, wenn man ähnliche Wirkprinzipien nicht
vergleichen darf, wird man nie aus der Fehlerwiederholungsschleife
rausspringen.
> > Solange aber
> > willkürliche
> > Grenzen existieren, wird immer versucht, den größten Stück des Kuchen
> > innerhalb diese Grenzen zu ziehen, obwohl genug für alle da ist. Aber
> > an anderen denkt man nicht, sie sind im wahrsten Sinne des Wortes
> > ausgegrenzt.
>
> Nun ja, die Grenzen sind zunächst einmal historisch bedingt,
Na und? Wenn alles, was historisch bedingt ist, dadurch eine ewige
Existenzberichtigung erlangt, wird sich die menschliche Gesellschaft
niemals ändern. Die historische bedingte Gewohnheit des Sozialstaats
wird ja auch gerade wieder abgeschafft, warum nicht auch die des
Staates an sich?
> Der Planet ist ja keine gleichmäßige
> Kugel mit uniformen Bewohnern. Daher liegt die Aufteilung in
> Regierungsgebiete doch auf der Hand, und was sind Nationalstaaten
> denn anderes als das?
Historisch gesehen ist die Festlegung von ‘Regierungsgebieten’
eine junge Erscheinung, und ob diese Entwicklung wirklich auf der
Hand lag, bezweifele ich stark. Interessante Sicht dazu bietet
Jeremy Rifkin in den ersten Kapiteln von ‘Die H2 Revolution’.
> Hier und heute
> kann man immerhin nicht verhungern, selbst wenn man sich beharrlich
> weigert, zu arbeiten.
Das stimmt leider nicht mehr. Sozialhilfeempfänger können
mittlerweile
zur Arbeit gezwungen werden, und ohne Geld geht verhungern ganz schön
schnell. Nicht jede Stadt hat Tafeln.
> Und man kann sich den Beruf in gewissen Grenzen frei aussuchen.
*lol* Gleiche Bildung für alle, oder wie? Jobs im Überfluss?
Aufstiegschancen ohne Freunde und Beziehungen? Das klingt ja
fast neoliberal…
> Und es gibt Arbeitsvorschriften, Kündigungsschutz,
> Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Gewerkschaften, Betriebsräte… -
Ich kenne auch Leute in Betriebsräten, und die Geschichten, die ich
da teilweise höre, sind mehr als heftig. Hausbesuche bei Kranken, die
ständige Erwähnung, daß ja Stellen gekürzt werden müssen, gerade
gegenüber Leuten, die durch ständige Überstunden und altersbedingt
häufiger krank werden, als ihnen lieb, oder sich krank zur Arbeit
schleppen. Ist nicht vor ein paar Tagen ein grippekranker Linienbus-
fahrer verunglückt?
> ja, es ist skandalös, daß die Neoliberalisten an den Machthebeln all
> dies aufgeweichen wollen, aber gegenwärtig sind diese Einrichtungen
> in Deutschland alle noch vorhanden und einigermaßen vital, alles
> Errungenschaften, die in der echten Sklaverei völlig unbekannt waren.
Wenn du meinst. Ich halte sie sie für so vital wie ein Krebskranker
unmittelbar nach der Chemotherapie.
> Dafür war die zu verrichtende Arbeit aber normalerweise auch viel
> mühsamer und gesundheitsschädlicher (der größte Teil der Bevölkerung
> war ja in der Landwirtschaft tätig – ohne Traktoren usw. verdammt
> anstrengend).
Stimmt, aber ohne Stress, und nicht mit soviel Zeitauwand (aufs Jahr
gerechnet) wie heutzutage.
> Übrigens: Schon putzig, wie schnell man von Giftgas zur
> Grundsatzdiskussion über Gesellschaftssysteme kommt, gell? :)
Kein Wunder eigentlich. Mir wird einfach übel, wie gedankenlos
hier Morden als Normalität hingenommen wird, und das ist sicherlich
ein gesellschaftliches Phänomen, das IMHO ziemlich unmittelbar
mit dem pseudosklavischen Dasein zusammenhängt, zu dem die
meisten Erwerbstätigen gezwungen wird. Und wenn einem selbst
nicht zu rosig geht, erbaut man sich gern am Elend anderer.
Hurra, wir leben noch!
mfg,
LC